Buxtehude-Harsefelder Eisenbahnfreunde e.V.

 

Aufarbeitung

Die Bestandsaufnahme

Bevor es an den Motor ging, wurde beschlossen, eine kurze Bestandsaufnahme zu machen. Diese umfasste das Checken der grundsätzlichen Rollfähigkeit der Lok. Bewerkstelligt wurde dies mithilfe eines Audi A6 und Muskel- sowie Hebelkraft. Bei dem kurzen Hin- und Herschieben, bzw. Ziehen der Lok ergab sich ein durchaus positives Ergebnis - sie rollt. Ebenfalls positivier Nebeneffekt: Die mechanische Handbremse erfüllt auch nach der langen Standzeit noch ihren Zweck. Nun kann es also dem Motor an den Kragen gehen.

Aufarbeitung des Motors

Im Sommer 2021 wurde damit begonnen, den alten Deutz F2L 514 Motor zu sichten und erste Prognosen zu stellen. Da die Kleinlok bereits zwei Jahrzehnte steht - davon mindestens 10 Jahre ungeschützt draußen, nicht überdacht - wurde schnell klar, dass die Aufarbeitung viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Zunächst wurde klassisch versucht, den Motor per Hand zu drehen - erfolglos. So kam die Idee auf, wie bereits beim Rolltest, die Lok an sich zu bewegen und so zu beobachten, ob sich beispielsweise das Schwungrad dreht oder sich die Riemen auf der Stirnseite des Motors bewegen. Auch dies war erfolglos - nichts drehte. Also wurde kurzerhand beschlossen, eine Batterie direkt an den Anlasser zu klemmen und diesen zu überbrücken. Der Ölstand wurde im Voraus geprüft und Öl befand sich auch noch zu einem guten Teil im Motor. Ergeben hat sich beim Überbrücken des Anlassers leider nichts, außer, dass dieser einwandfrei zu funktionieren scheint. Kurz entschlossen wurde der Anlasser vom Motor getrennt und ein weiteres Mal überbrückt. Und es hat sich bestätigt: Er dreht einwandfrei. Dies hat uns in Sachen des Motordrehens leider nicht sehr viel weitergeholfen. So wurde jetzt über weitere Theorien nachgedacht.

Bekannt war, dass die Instandsetzung des Motors nicht einfach wird und nach vielen, nicht sehr positiven Ratschlägen anderer, wurde weiter darüber gegrübelt, ob und wie es weitergehen kann oder könnte. Klar wurde, dass in jedem Fall der Motor komplett auseinandergebaut und im besten Falle sogar aus der Lok ausgebaut werden müsse. Demnach wurde als erstes damit begonnen, das Öl aus dem Motor zu lassen. Dies gestaltete sich gar nicht mal so einfach, da die Lok nicht auf einer Grube stand und der Platz somit begrenzt war. Trotzdessen konnte das Ablassen arrangiert werden. Laut Wartungshandbuch werden bei einem Ölwechsel 5l Neuöl benötigt. Also wurde von einer ungefähren Menge von 5l Öl ausgegangen. So wurden wir schnell überrascht, dass der erste Eimer relativ schnell voll wurde und es nicht den Anschein machte, dass der Ölvorrat "demnächst" aufgebraucht sei. Zu unserem Erstaunen floss auch leider sehr viel Wasser durch die Öffnung der Ölablassschraube. Am Ende hatten wir dann ein Ergebnis von ca. 15l Öl-Wassergemisch.

Nach und nach wurden nun die Einzelteile des Motors demontiert: Auspuff, Anlasser, Riemen, Lichtmaschine, Ansaugbrücke (inkl. Ölbadluftfilter), Zylinderköpfe, sowie diverse Kraftstoff- und Ölleitungen. Auch die Tanks wurden geleert und der alte Diesel abgelassen. Bei der Demontage der Zylinderköpfe fiel auf, dass es im inneren der Laufbuchsen zu extremer Rostbildung gekommen ist und die Laufbuchse des Zylinder 1 einen Riss aufweist. Jetzt wurde auch klar, warum der Motor nicht drehte. Durch die lange, ungeschützte Standzeit im Außenbereich muss Wasser durch den Auspuff in die Zylinder gelaufen sein und dies wiederum führte dann dort zur Rostbildung. Wenn im Winter dann noch Frost dazukommt, kann auch - scheinbar - eine Zylinderbuchse reißen, bzw. "platzen". So scheinen die Kolben förmlich an der Innenseite der Laufbuchse festgerostet zu sein.

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  • Zylinder - links
  • Zylinder - rechts
  • Zylinder ohne Auspuff


November 2021

Mit den nun vorliegenden Informationen - nämlich, dass die Kolben festgerostet zu sein scheinen - wurde von verschiedenen Seiten Rat eingeholt. Mit dem alten, abgelassenen Diesel solle man die Kolben lösen können. Gesagt - Getan, alten Diesel auf die Kolben als "Rostlöser" gekippt und 24 Stunden stehen gelassen. Getan hat sich hier leider wenig bis gar nichts. Ebenfalls auf Rat, mit einem Stück Holz und einem Hammer von oben auf die Kolben zu schlagen, hat keine Wirkung erzielt. Somit lag das Ziel, das Drehen des Motors, ersteinmal auf Eis. Weiterhin wurde sich der Demontage der umliegenden Teile gewidmet und auch Informationen darüber beschafft, ob und wie man den Motor ausbauen kann.

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Hier ist der Motor in fast ausbaufähigem Stand zu sehen. Alle "unwichtigen" Teile sind demontiert. Stand: Januar 2022

 

Januar 2022

Was dem Ausbau jetzt noch im Wege stand, sind die Laufrohre des Sandstreuers und natürlich die Motorhaube an sich. So wurde damit begonnen die Schrauben der Motorhaube, sowie des Sandstreuers zu lösen. Durch den schlechten Zustand der Schrauben außen, ist leider ein Großteiler jener abgerissen. Die Schrauben des Sandkastens waren erstaunlich fest angezogen dafür, dass diese eben nur die Rohre verbinden und Sand hindurch läuft. Letztenendes konnten aber alle Schrauben gelöst werden, sodass man nun in der Theorie die Motorhaube anheben kann. Mit den Jahren scheint sich diese allerdings verzogen zu haben, sodass man sie nur wenige Zentimeter auf der linken und auf der rechten Seite gar nicht anheben konnte. Die nächste Frage stellte sich: Wie bekommt man die Motorhaube von der Lok?

Durch Streckenarbeiten und der Modernisierung des Bahnhofes in Harsefeld war hier seit mehreren Wochen ein Bagger stationiert, welcher diverse Arbeiten tätigte. Besagter Bagger wurde nach Feierabend auf unserem Gleis 1 abgestellt. Kurzerhand wurde sich dazu entschlossen nachzufragen, ob man bei uns - möglicherweise zum Feierabend - Abhilfe schaffen könnte. So wurde dieser Plan dann auch umgesetzt. Der Bagger kam, dockte sich an die Motorhaube an und hob sie herunter. Diese wurde dann auf eine Palette verfrachtet und per Hubwagen in die Fahrzeughalle verschoben.

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Besonderer Dank geht hier nochmals an die Bagger-Crew, für die nette Unterstützung!


Nachdem die Motorhaube jetzt also aus dem Weg geschaffen war, konnte der Motor in der Theorie ausgebaut werden. Die Rohre des Sandstreuers konnten nun ja auch ohne Probleme ausgebaut werden - hier hat die Motorhaube vorher blockiert. Rohre entfernt - Motor freigelegt, nun kann es also losgehen. Zwischenzeitlich wurden Paletten vom angrenzenden Baumarkt besorgt, da bis dato alle Paletten auf dem Gelände in Gebrauch waren. Ebenfalls wurden alle Schrauben, die den Motor hielten angelöst, damit uns am Tag des Ausbaus keine böse Überraschung erwartete. Zum Ausbau wurde hier ein befreundeter Landwirt zur Hilfe gezogen, der kurzerhand mit seinem Traktor und Frontlader vorbeikam. Die Lok wurde hier mit einem Seil am Traktor befestigt und zunächst unter dem Dach hervorgezogen, damit ein leichteres Arbeiten mit dem Traktor möglich wurde. Im zweiten Schritt wurde der Motor an zwei Stellen mit dem Frontlader verbunden, alle bis dahin noch vorhandenen Befestigungen komplett gelöst und im Anschluss angehoben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der Motor in voller Pracht am Haken!

Auf besagter Palette wurde der Motor letztendlich abgestellt und in die Halle verfrachtet. Um dort einen Höhenunterschied auszugleichen, wurde die Palette mit dem Motor auf zwei weiteren Paletten (tiefergelegen) abgestellt.

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Hier geht unser Dank selbstverständlich an Jonas mit seinem tatkräftigen Fendt!


Nachdem der Motor sich jetzt also trocken in der Halle befindet und die Lok - motorlos - wieder unter dem Dach, kann es also den Laufbuchsen an den Kragen gehen. Hier wurde zunächst versuchst, die Laufbuchsen wieder mit Diesel von den Kolben zu trennen oder wenigstens anzulösen. Hier wurde jetzt auf kurze Einwirkzeit und viel "Gerüttel" gesetzt. Nachdem sich diese Methode als wenig effektiv entpuppte, wurde zu einem Kantholz und einem Hammer gegriffen. Kantholz von unten schräg an die Laufbuchse angesetzt und geschlagen. Auf Verlust der Kühlrippen brauchte hier nicht geachtet werden, da diese sowieso in jedem Fall neu mussten. Die Methode mit Kantholz und Hammer hat sich als sehr wirksam erwiesen und so war die erste Laufbuchse eine halbe Stunde später gezogen. Mit der gezogenen Buchse konnte jetzt auch gut in das Motorblock-innere geschaut werden - der Zustand scheint auf den ersten Blick tatsächlich gar nicht so schlecht zu sein. Einzig ein bisschen Flugrost am Pleuel. Weiter ging es jetzt mit der zweiten Laufbuchse, die auf die gleiche Art wie die Erste, gezogen wurde. Auch hier nur ein wenig Flugrost am Pleuel. Im gleichen Schritt konnten nun auch die Stößelbecher entfernt werden. Zustand ist quasi wie neu.

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Auf den Bildern zu sehen ist der Schritt-für-Schritt-Ausbau der ersten Laufbuchse gut zu erkennen. Freiwillig kamen die Laufbuchsen nicht aus den Fassungen.

Als nächstes wurde jetzt noch die Nockenwelle ausgebaut, diese konnte man einfach aus dem Motorblock ziehen. Zusätzlich wurde der Motor noch vom gröbsten Schmutz und Restdiesel befreit. Der nächste Schritt war bereits klar, der Motor musste angehoben oder sogar besser um 90° gedreht werden, damit man die Ölwanne abbauen und die Pleuel von unten lösen kann.


April 2022

Nach Besorgung einiger Spanngurte und der Überlegung mit zwei Gerüstböcken und Gerüstrohren eine Vorrichtung zum Anheben des Motors zu bauen, wurde diese Idee auch in die Tat umgesetzt. Wie auf den Bildern zu erkennen, wurde der Motor auch direkt mit von der Kupplungsglocke befreit. Der Motor liegt jetzt um 90° gedreht auf der Palette an seinem angestammten Platz in der Halle. Hierzu werden weitere Bilder folgen.

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August 2022

Nachdem der Motor von der Kupplungsglocke getrennt wurde und nun um 90° gedreht in der Halle ausharrte, ging es jetzt an die Ölwanne. Zunächst wurde hierzu die Kupplung demontiert. Ebenfalls wurde die Schwungmasse, die im Endeffekt leichter war als die Kupplungseinheit, abgebaut. Hinter der Schwungmasse sitzt ein Deckel, der die letzten Haltepunkte für die Ölwanne bietet. So konnte letztendlich die Ölwanne demontiert werden. Daraufhin folgte der Ausbau der Ölpumpe, sowie der zwei Pleuel und der drei Kurbelwellenlager samt Kurbelwelle. Im weiteren Verlauf soll nun entschieden werden, welche Teile alle zur Aufbereitung zur Motorenklinik Hoops nach Buxtehude gebracht werden sollen. Die Aufarbeitung in der Motorenklinik wird sich auf mehrere Hundert Euro belaufen.

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Zu einem späteren Zeitpunkt im August wurden die Teile zur Motorenklinik Hoops nach Buxtehude befördert, wo sie dort nun auf Herz und Nieren geprüft werden. Sobald ein Kostenvoranschlag steht, werden weitere Schritte eingeleitet.

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